Care-Leaver*

Care-Leaver* – Bedarfe und Erfordernisse beim Übergang in das Erwachsenenleben

Projektleitung: Prof. Dr. Torsten Linke, Hochschule Zittau/Görlitz

Mitarbeitende im Projekt:  Sarah Preusker, Jule Baumgarten, Paul Enke, Nicola Barth

Begleitende Expert*innen:   N.N.

Kontakt: torsten.linke(at)hszg.de

  • Begriffsklärung Forschungsgegenstand

    „Mit dem Begriff ‚Care Leaver‘ werden Jugendliche oder junge Erwachsene bezeichnet,

    die zumindest zeitweilig außerhalb der Herkunftsfamilie in institutioneller

    Betreuung oder in Pflegefamilien aufgewachsen sind  ‚und von dort aus den Weg

    ins Erwachsenenleben beginnen‘ (Thomas 2013, S. 12).“ (Sting & Groinig, 2020,  S. 2)

    Stephan Sting und Maria Groinig (2020) verweisen auf grundlegende Gegebenheiten und Herausforderungen für Care Leaver*:

    1. abhängig von den Gründen die zur Fremdunterbringung geführt haben, ein in der Regel kompliziertes und/oder belastetes Verhältnis zur Herkunftsfamilie;
    2. abhängig von den noch bestehenden (oder auch nicht bestehenden) Beziehungen zur Herkunftsfamilie findet der Übergang in das Erwachsenenleben in Distanz zur Herkunftsfamilie statt oder muss gänzlich ohne diese bewältigt werden;
    3. bestehende Benachteiligungen mit Blick auf materielle, finanzielle und soziale Ressourcen im Vergleich zum Durchschnitt der gleichaltrigen Gesamtbevölkerung und in der Regel dadurch begrenzte Entwicklungsmöglichkeiten und Bildungschancen als junge Erwachsene;
    4. nicht nur die vulnerable Phase des Übergangs sondern auch die sensible Entwicklungsphase als junge Erwachsene (postadoleszente Phase bis zum Alter von 25-30 Jahren) muss ohne oder mit geringer Unterstützung der Herkunftsfamilie bewältigt werden;
    5. eine weitgehende Eigenständigkeit wird bereits mit 18 Jahren erwartet und von der Jugendhilfe als zu erreichendes Ziel gesetzt, wobei ein Fokus auf der Kompetenz liegt, allein leben zu können. Demgegenüber erhalten andere junge Erwachsene von ihren Familien meist weitere (materielle, finanzielle, soziale, emotionale) Unterstützung;
    6. der Übergang in das Erwachsenenleben findet aus Einrichtungen der Jugendhilfe heraus statt, dabei sind die Jugendlichen abhängig von der Professionalität der Fachkräfte und auf die Unterstützung staatlicher Institutionen angewiesen (ebd., S. 2f.).
  • Informationen zum Forschungsprojekt

    Projekttitel

    Care-Leaver* – Bedarfe und Erfordernisse beim Übergang in das Erwachsenenleben

    Projektleitung

    Prof. Dr. Torsten Linke, Hochschule Zittau/Görlitz

    Mitarbeitende im Projekt

    Sarah Preusker, Jule Baumgarten, Paul Enke, Nicola Barth

    Forschungsinteresse

    Subjektive Erfahrungen von Jugendlichen und jungen Erwachsenen in der stationären Jugendhilfe, Erfahrungen und Bedarfe beim Übergang von der Betreuung in der Jugendhilfe in ein eigenständiges Leben

    Fragestellung

    Welche Erfahrungen haben Jugendliche/junge Erwachsene in der stationären Jugendhilfe und beim Übergang in ein eigenständiges Leben gemacht?

    Wie wirken sich diese Erfahrungen auf ihr weiteres Leben aus?

    (bspw. auf ihre schulische und berufliche Entwicklung, auf ihre Beziehungsgestaltung, ihre Familienplanung, ihr Wohlbefinden

    Welche Bedarfe zeigen sich?

    Welche Strukturen, Praxen, Kompetenzen und Ressourcen in der Jugendhilfe sind erforderlich, um Jugendliche in der Übergangsphase angemessen professionell zu begleiten?

    Feld und Feldzugang

    Care Leaver*, junge Erwachsene mit Erfahrungen in der stationären Jugendhilfe, Feldzugang über Gatekeeper* in der Jugendhilfe und Jugendarbeit

    Begleitende Expert*innen

    ehemalige Care Leaver*, Begleitung und  Einbezug in allen Projektphasen (partizipative Orientierung: Informationen geben, Meinungen und Expertise einholen, Mitbestimmung und Veränderungen ermöglichen bspw. Fragen im Leitfaden, Interpretation und Darstellung der Ergebnisse). Möglichkeit der Mitarbeit als Co-Forschende (abhängig von Interesse und Ressourcen)

    Erhebungszeitraum und Region

    05/2022-12/2022, Sachsen

    Aufbau und Entwicklung der Stichprobe

    Theoretical Sampling (aufbauend von n = 1, orientiert an theoretischer Sättigung der Kategorien)

    Erhebung

    leitfadengestützte teilstrukturierte Interviews

    Aufzeichnung und Transkription

    digitale Aufnahme, vollständige Transkription mit Software f4

    Auswertung

    Kodierverfahren  nach Grounded Theory

    Forschungsethische Grundlage

    Forschungsethikkodex DGSA, Bonner Ethik-Erklärung

    Förderung

    Diese Maßnahme wird mitfinanziert mit Steuermitteln auf Grundlage des von den Abgeordneten des Sächsischen Landtags beschlossenen Haushaltes.

     

  • Ablauf Forschungsprozess

    Ablauf Forschungsprozess - siehe pdf

  • Literatur (Auswahl)

    Fokus Forschungsgegenstand (Care Leaver* und Jugendhilfe)

    Ahmed, Sarina; Rein, Angela & Schaffner, Dorothee (2020): Care Leaver erforschen Leaving Care. Projektergebnisse und fachliche Empfehlungen. Online verfügbar: https://www.careleaver-info.ch/forschungbericht-care-leaver-erforschen-leaving-care/ (01.04.2022).

    Groinig, Maria; Hagleitner, Wolfgang; Maran, Thomas & Stephan Sting (Hrsg.) (2019): Bildung als Perspektive für Care Leaver? Bildungschancen und Bildungswege junger Erwachsener mit Kinder- und Jugendhilfeerfahrung. Opladen, Berlin & Toronto: Barbara Budrich. Online verfügbar:  https://www.pedocs.de/volltexte/2020/19408/pdf/Groinig_Hagleitner_et_al_2019_Bildung_als_Perspektive.pdf (01.04.2022).

    Klein, Joachim & Macsenaere, Michael (2019): „Care Leaver – stationäre Jugendhilfe und ihre Nachhaltigkeit“ - Zusammenfassung der wichtigsten Ergebnisse. Online verfügbar: https://www.bvke.de/projekte/care-leaver/care-leaver (01.04.2022).

    Klein, Joachim; Macsenaere, Michael & Hiller Stephan (2020): Care Leaver. Stationäre Jugendhilfe und ihre Nachhaltigkeit. Freiburg: Lambertus

    Linke, Torsten (2021): Vertrauensvolle Arbeitsbeziehung [online]. socialnet Lexikon. Bonn: socialnet. Verfügbar unter: https://www.socialnet.de/lexikon/Vertrauensvolle-Arbeitsbeziehung (01.04.2022).

    Linke, Torsten (2020): Sexuelle Bildung in der Kinder- und Jugendhilfe. Die Bedeutung von Vertrauenskonzepten Jugendlicher für das Sprechen über Sexualität in pädagogischen Kontexten. Psychosozial-Verlag Gießen. Open Access verfügbar unter: https://www.psychosozial-verlag.de/7681 (01.04.2022).

    Merkel, Alexander; Redmann, Björn; Thurm Elsa & von Wölfel, Ulrike (2020): Beteiligungswerkstatt mit Careleavern ... weil Jugendhilfe mehr kann! Wissenschaftliche Dokumentation. IGFH. Online Verfügbar: https://igfh.de/publikationen/broschueren-expertisen/weil-jugendhilfe-mehr-kann (01.04.2022).

    Preusker, Sarah (2021): Wie geht es Careleaver*innen mit dem aktuellen Corona-Lockdown? Forum Erziehungshilfen, Ausgabe 3, Jahr 2021, Seite 184-186. Online verfügbar: https://careleaverzentrum.de/unterseite-artikel-sarah (01.04.2022).

    Sting, Stephan & Groinig, Maria (2020): Care Leaver und Familie. In: Ecarius Jutta & Schierbaum Anja (Hrsg.) Handbuch Familie. Wiesbaden: Springer VS. S. 1-19. Online verfügbar: https://link.springer.com/referencework/10.1007/978-3-658-19861-9?page=1#toc (01.04.2022).

    Sievers, Britta; Thomas, Severin & Zeller, Maren (2015): Jugendhilfe – und dann? Zur Gestaltung der Übergänge junger Erwachsener aus stationären Erziehungshilfen. Frankfurt a. M.: IGFH. Online verfügbar: https://igfh.de/publikationen/fachbuecher/jugendhilfe-dann (01.04.2022).

     

    Fokus Forschungsmethodik und -ethik

    Ackermann; Timo (2020): Nutzer*innen als Co-Forschende?! Prozess, Herausforderungen und Strategien partizipativer Forschungsansätze. A. van Rießen und K. Jepkens (Hrsg.): Nutzen, Nicht-Nutzen und Nutzung Sozialer Arbeit. Wiesbaden: Springer VS. S. 89-103. Online verfügbar: https://link.springer.com/book/10.1007/978-3-658-23250-4 (01.04.2022).

    Breuer, Franz, Muckel, Petra & Dieris, Barbara (2019): Reflexive Grounded Theory. Eine Einführung für die Forschungspraxis. Wiesbaden: Springer VS. Online verfügbar: https://link.springer.com/book/10.1007/978-3-658-22219-2 (01.04.2022).

    Deutsche Gesellschaft für Soziale Arbeit – DGSA (Hrsg.) (2020): Forschungsethische Prinzipien und wissenschaftliche Standards für Forschung der Sozialen Arbeit. Forschungsethikkodex der DGSA. Online verfügbar: https://www.dgsa.de/forschungsethik/forschungsethikkodex (01.04.2022).

    Equit, Claudia & Hohage, Christoph (Hrsg.) (2016): Handbuch Grounded Theory. Von der Methodologie zur Forschungspraxis. Weinheim: Beltz Juventa.

    Lochner Barbara (2017): „Kevin kann einfach auch nicht Paul heißen.“ Methodologische Überlegungen zur Anonymisierung von Namen. Zeitschrift für qualitative Forschung, 18(2), 283–296.

    Poelchau, Heinz-Werner; Briken, Peer; Wazlawik, Martin; Bauer, Ullrich; Fegert, Jörg M. & Kavemann, Barbara (o.J.): Bonner Ethik-Erklärung. Online verfügbar: https://www.bmbf.de/bmbf/shareddocs/downloads/files/ethikerklaerung-1.pdf?__blob=publicationFile&v=1 (01.04.2022).

    Helfferich Cornelia (2011): Die Qualität qualitativer Daten. Manual für die Durchführung qualitativer Interviews. Wiesbaden: VS Verlag für Sozialwissenschaften. Online verfügbar: https://link.springer.com/book/10.1007/978-3-531-92076-4 (01.04.2022).

    Strauss, Anselm L. (1994). Grundlagen qualitativer Sozialforschung. Datenanalyse und Theoriebildung in der empirischen soziologischen Forschung. München: Fink.

    Unger, Hella v. (2014): Partizipative Forschung. Einführung in die Forschungspraxis. Wiesbaden: Springer VS.

    Unger, Hella v. & Narimani, Petra (2012): Ethische Reflexivität im Forschungsprozess: Herausforderungen in der Partizipativen Forschung. Online verfügbar:  https://www.econstor.eu/handle/10419/70197 (01.04.2022).

    Unger, Hella v.; Narimani, Petra & M’´Bayo, Rosaline (2014): Forschungsethik in der qualitativen Forschung. Reflexivität, Perspektiven, Positionen. Wiesbaden: Springer VS.

  • Allgemeine Informationen im Internet (Auswahl)
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