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24. August 2022

Entwicklung innovativer Technik für die informelle Pflege

Das BMBF fördert interdisziplinäres Begleitprojekt an der Hochschule Zittau/Görlitz.


Eine junge Frau legt den Arm über die Schulter einer älteren Damen und nimmt sie bei der Hand. Sie lächeln sich an.
Foto: pexels/Andrea Piacquadio Mit Hilfe des Projekts PiTiPS soll künftig innovative Technik für die informelle Pflege entwickelt werden.

Rund 80 Prozent der derzeit 4,1 Millionen Menschen mit Pflegebedarf in Deutschland werden in ihrem häuslichen Umfeld versorgt. Die Hauptlast dieser Versorgung tragen An- und Zugehörige sowie andere informelle Pflegepersonen. Zur Entlastung dieser Gruppen wird zunehmend darüber diskutiert, wie digitale Angebote eine Unterstützung bei der Pflege bieten können. Jedoch entfalten soziotechnische Innovationen nur dann einen tatsächlichen Mehrwert, wenn sie sowohl den vielfältigen Bedürfnislagen der Zielgruppe der informell Pflegenden als auch den spezifischen Pflegesettings gerecht werden – eine Herausforderung, welche insbesondere die frühzeitige Einbindung von informell Pflegenden in die Entwicklung von technologischen Ansätzen erfordert.  

Das vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) geförderte Projekt „Partizipation und Co-Creation für innovative Technologien für informell Pflegende und Sorgegemeinschaften“, kurz PiTiPS, widmet sich dieser Notwendigkeit. Unter Leitung des Instituts für Multimediale und Interaktive Systeme (IMIS) der Universität zu Lübeck verknüpft das PiTiPS-Projekt Expertise aus Forschung und Praxis (Sozial-, Pflege und Verhaltenswissenschaften, Gerontologie, Partizipations- und Technikforschung) mit der Perspektive von Vertreter*innen informell Pflegender, um die Diversität informeller Pflege systematisch in Forschungs- und Gestaltungsprozesse zu integrieren. Durch diese transdisziplinäre Vorgehensweise sollen die Voraussetzungen für eine gelingende Integration informell Pflegender in den verschiedensten Pflegekontexten, wie zum Beispiel bei der Pflege chronisch kranker Kinder, der Pflege im ländlichen Raum oder der Pflege durch junge Erwachsene, herausgearbeitet und andere Forschungs- und Entwicklungsprojekte direkt bei dieser Integration unterstützt werden.

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„Informell Pflegende stärker in der Entwicklung von für sie relevanten Unterstützungstechnologien einzubinden und zu stärken, ist von höchster Relevanz in einer Gesellschaft, die sowohl den demografischen als auch den technologischen Wandel im Sinne Pflegender und vulnerabler Personengruppen gestalten will. Wir freuen uns mit dem Institut für Gesundheit, Altern, Arbeit und Technik daran mitwirken zu können und werden unseren Fokus vor allem auf informell Pflegende in ländlichen Räumen und ältere Menschen legen.“

Dr. Cordula Endter

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„Partizipative und co-creative Gestaltungsprozesse sind ein Wesensmerkmal unserer zukünftigen Arbeitswelt und Gesellschaft, die auch bei der Versorgung älterer Menschen eine immer größere Rolle spielen werden. Co-creation bedeutet, dass der Einsatz technischer Innovationen ausgehend von den Bedürfnissen und Präferenzen unter aktiver Einbeziehung der Zielgruppe erforscht wird. Technische Innovation ist wichtig, aber im Mittelpunkt steht immer der Mensch! Der Nutzen für Mensch und Gesellschaft ist das entscheidende Erfolgskriterium co-creativer Forschung.

Prof. Dr. Andreas Hoff

Das PiTiPS-Projekt begleitet im Rahmen der vierjährigen Projektlaufzeit, von Mai 2022 bis Januar 2026, verschiedene Verbundprojekte aus dem Forschungskontext informeller Pflege, um so Ansätze und Methoden zur Partizipation von informell Pflegenden an Technikinnovation zu stärken. Hierfür verfolgt das Projektteam eine duale Strategie: (1) Bereitstellung von technischen Infrastrukturen und wissenschaftlichem Wissen und (2) Analyse von Partizipationsansätzen, um theoretische Modelle und Methoden weiterzuentwickeln und Handlungsempfehlungen abzuleiten. In zwei sogenannten „PartizipationsLabs“, also Laboren zur Durchführung von Partizipationsmethoden, werden partizipative Formate und Co-Design, digital und analog, erprobt und durchgeführt. Im Fokus steht dabei die aktive Zusammenarbeit zwischen der Zielgruppe, also informell Pflegenden, und Expert*innen aus der Forschung, um Methoden und Ansätze in verschiedenen Werkstätten auszuprobieren und weiterzuentwickeln. Zudem dient ein digitaler „PartizipationsHub“ als Plattform, um gemeinsame Lernprozesse zu initiieren und abzubilden. Ergänzt wird der Beratungs- und Unterstützungsprozess durch gemeinsame Forschungswerkstätten mit den Verbundprojekten aus dem gesamten deutschen Bundesgebiet.

Projektpartner des GAT-Instituts sind das Institut für Multimediale und Interaktive Systeme und das Institut für Sozialmedizin und Epidemiologie der Universität zu Lübeck, die Hochschule Furtwangen, das Bayerische Forschungszentrum Pflege Digital der Hochschule für angewandte Wissenschaften Kempten und „wir pflegen – Interessenvertretung und Selbsthilfe pflegender Angehöriger e.V.“.

Ihre Kontaktperson

Dr. Cordula Endter
Dr.
Cordula Endter
Fakultät Sozialwissenschaften
Standort 02826 Görlitz
Furtstraße 2
Gebäude G I, Raum 2.08
+49 3581 374-4421
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