Grundsätzliches

Grundsätzliches

Ein ehrliches Wort vorab an diejenigen, die sich für einen Studienplatz der Heilpädagogik interessieren:

Heilpädagogik ist keine Therapie für Menschen mit Behinderungen und auch nicht die Fortführung der Medizin mit pädagogischen Mitteln. Heilpädagogik ist Pädagogik, d.h. ihr geht es um die Anregung, Gestaltung und Unterstützung von Erziehungs- und Bildungsprozessen für Menschen. Der Leitgedanke der Heilpädagogik mit inklusivem Vorzeichen ist der der Anerkennung und Bewältigung menschlicher Vielfalt. Das heißt, dass nicht der „Defekt“/das „Defizit“ von Menschen zum Maßstab aller Dinge gemacht werden kann. Im Zentrum steht vielmehr die Schaffung von entwicklungs- und persönlichkeitsfördernden Lebensbedingungen und Beziehungen zu anderen Menschen, die alle Lebensabschnitte (Kindheit, Jugend, Erwachsenenalter, hohes Alter) und alle gesellschaftlichen Bereiche (etwa: Erziehung, Bildung, Beruf, Freizeit, Familie, Gemeinschaft) umfassen. Diese normative Grundlage erfordert eine ganzheitlich-dynamische sowie eine transdisziplinäre Ausrichtung der Heilpädagogik. Sie sieht sich hier im Verbund mit Medizin, Psychologie, Sozialer Arbeit oder Therapie – sie fußt aber auf eigenständigen Theorien, Begriffssystemen und Handlungskonzepten. Hiermit werden Sie in unserem Bachelor-Studiengang umfassend konfrontiert.

Sollten Sie die Erwartungshaltung haben, bei uns wie auch immer therapeutisch ausgebildet zu werden, so wird diese enttäuscht werden. – Bewerben Sie sich bitte nur, wenn Sie bereit sind, sich im Verlauf des Studiums den genuin pädagogischen Ansatz unserer Fachdisziplin zu erschließen.

Das Ziel unserer Ausbildungsbemühungen ist relativ einfach zu benennen: Wir wollen Menschen in die professionelle Praxis entlassen, die wissenschaftlich und praktisch so kompetent sind, dass sie inklusive Prozesse anregen, managen und reflektieren können.

 

Inklusive Prozesse können als vieldimensional erkannt und eingeordnet werden. Zu nennen wäre hier beispielsweise die intersubjektive Dimension, bei der es darum geht, Störungen kommunikativer und kooperativer Prozesse zu beseitigen bzw. zu mindern, um damit den Weg für gelingende Erziehungs- und Bildungserfahrungen freizumachen. Weiterhin gehört hierzu die Stärkung des Selbsthilfepotenzials von Menschen mit spezifischen Lebenserschwernissen. Stichworte wären hier z.B.: Selbstbestimmt Leben, Empowerment oder Unterstützung.

Letztlich sei auch darauf hingewiesen, dass nicht nur der Mensch mit spezifischen Lebenserschwernissen einen Entwicklungs-, Bildungs-, Förder- oder Assistenzbedarf hat, sondern auch seine Lebenswelt, die Gesellschaft, ihre Institutionen und Organisationen. Stichworte wären hier z.B.: Sozialraumorientierung oder Casemanagement.

Unter diesen Prämissen lassen sich als spezifische Zielgruppen der Heilpädagogik benennen:

  • Menschen jeden Alters mit Behinderungen
  •       Kinder und Jugendliche mit Entwicklungsverzögerungen
  •       Menschen mit gravierenden / komplexen Verhaltensauffälligkeiten,
  •       Menschen mit psychischen Problemen und Störungen,
  •       Menschen mit chronischen Krankheiten,
  •       alte Menschen mit Unterstützungsbedarf, 
  •       Menschen mit Exklusionserfahrungen.

Noch immer ist bei uns Erziehung, Bildung und Entwicklungsförderung für diese Menschen oftmals nur um den Preis der Segregation, also der Ausgrenzung aus regulären Lebensbezügen zu haben. Das halbleere Glas ist aber auch halbvoll. Die Landschaft der Behindertenhilfe öffnet sich, wird zunehmend „klientenzentrierter“, Selbsthilfe- und Selbstvertretungsgruppen finden Gehör in der Gesellschaft und klagen selbstbewusst ihre Grundrechte ein. „Gleichheit in der Verschiedenheit“ war noch nie so denkbar wie heute – obwohl wir faktisch noch weit davon entfernt sind.

In diesem Spektrum bewegen sich Heilpädagoginnen und Heilpädagogen. Ihre Einsatzfelder sind z.B.:

  • Wohnheime und Wohnstätten,
  • Betreutes Wohnen,
  • Tagesstätten,
  • Sonder- und integrative Kindergärten,
  • Frühförderstellen,
  •  Erziehungs- und Familienberatungsstellen,
  • Einrichtungen der sozial- und heilpädagogischen Familienhilfe,
  •  Ambulante Dienste,
  • Werkstätten für Menschen mit Behinderungen,
  • Integrationsfachdienste,
  • Einrichtungen der beruflichen Bildung,
  • Arbeitsassistenz,
  • Familienentlastende Dienste,
  • Rehabilitative Einrichtungen,
  • Kinder- und jugendpsychiatrische Praxen,
  •  (Teil-)stationäre Einrichtungen der Kinder- und Jugendpsychiatrie,
  • (Teil-)stationäre Einrichtungen der Erwachsenenpsychiatrie,
  • Einrichtungen für alte Menschen,
  • Öffentlichkeits- und sozialpolitische Arbeit,
  • Aus-, Weiter- und Fortbildung.

Die Tätigkeitsbereiche, die sie ausfüllen, sind u.a.:

  •       Fachkraft in einem interdisziplinären Team,
  •       Gruppenleitung, 
  •        Einrichtungsleitung,
  •       Fachberatung,
  •       Tätigkeit als Referent/Referentin,
  •       Mitarbeit in Forschung und Lehre.

Als spezifische Kompetenzen, die sie sich im Verlauf des Studiums hierfür erwerben, wäre u.a. zu nennen:

  • Entwicklungsförderung und alltagspraktische Begleitung,
  • Beratung,
  • Heilpädagogische Diagnostik,
  • Organisationsanalyse und -beratung,
  • Qualitätsmanagement,
  •  Forschungs- und Entwicklungsarbeit,
  • Alltags-/Arbeitsassistenz.

 

 

 

 

 

 

Letzte Änderung:12. November 2018

Studiengangsbeauftragter

 

 

  Prof. Dr. phil.

  Manfred Jödecke

  Fakultät Sozialwissenschaften

  Haus G I / Raum 2.19

03581 374-4251

m.joedecke(at)hszg.de

 

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