Globalisierung

Globalisierung und interkulturelle Kommunikation von Geschlecht

In: Gabriele Sturm, Christina Schachtner, Renate Rausch, Karola Maltry (Hg.), Zukunfts(t)räume. Geschlechterverhältnisse im Globalisierungsprozeß, im Druck

Im Zuge der Globalisierung wird eine multikulturelle Gesellschaft zunehmend zur Realität. Zunehmend mehr Frauen und Männer aus einer wachsenden Anzahl unterschiedlicher Kulturen werden im öffentlichen wie im privaten Sektor miteinander in - nicht nur - sprachliche Interaktion treten.

Im folgenden sollen zwei Aspekte des Zusammenhangs von Globalisierung und der Kommunikation von Geschlecht betrachtet werden: In einem ersten Schritt die Konstruktion der fremden Frau, der "anderen Anderen", und wozu das "gut" ist, und darauf aufbauend die Auswirkungen der Globalisierung auf die Konstruktion von Geschlecht in - durch die Globalisierung bedingte - interkultureller Kommunikation.


Die Konstruktion der anderen Anderen

Ausgangspunkt der folgenden Überlegungen ist das Szenarium der Globalisierung - der weltweiten Vernetzung ökonomischer Aktivitäten -  wie es Jürgen Friedrichs (1997) jüngst aus soziologischer Perspektive gezeichnet hat. Friedrichs erwartet Rückwirkungen der Prozesse der Globalisierung auf Nationen, auf  Unternehmensstrukturen, auf Städte, Stadtteile und Haushalte: Die Stätten der Produktion und Dienstleistungen werden sich in Niedriglohnländer verlagern, zumeist in "andere Länder", in solche der "Dritten Welt". Es werden nur wenige Städte sein, in denen sich produktionsbezogene Dienstleistungen, Finanzwesen und die Koordination weltweiter ökonomischer Aktivitäten konzentrieren: die global cities, z.B. London, New York und Tokio. Große Unternehmen weiten ihre wirtschaftlichen Aktivitäten noch mehr aus durch Neugründungen von Produktionsstätten in zahlreichen Ländern; sie werden zu transnationalen Unternehmen.

Die Folgen dieser Prozesse: Die Verhandlungsmacht transnationaler Unternehmen gegenüber nationalen Regierungen und Städten nimmt zu, wohlfahrtsstaatliche Sicherungssysteme werden abgebaut, die Einkommensverteilung wird ungleicher. Die Beschäftigungsstrukturen in den Städten polarisieren sich, und zwar da ein Bedarf besteht zum einen an hochqualifizierten, zum anderen an unqualifizierten Arbeitskräften. Das heißt, die Einkommensverteilung wie die Beschäftigungsstrukturen werden u-förmig, da die mittlere Einkommens-Ebene wegfällt. Diese Polarisierungen reichen bis zu einer extremen Segregation, einer räumlichen Trennung sozialer Gruppen nach Wohnvierteln.

Im folgenden soll der Frage nachgegangen werden, welche spezifischen Tätigkeiten diese unterschiedlich qualifizierten Gruppen von Arbeitskräften in Zukunft ausführen werden. Zentral in diesem Zusammenhang ist:  Was tun vor allem die Unqualifizierten?

Saskia Sasson (1988) meint, daß der Lebensstil der ersten Gruppe, der Qualifizierten,  aufrechterhalten wird und abhängig ist von den Arbeitsleistungen der letzten Gruppe: Arbeitsleistungen wie die Zubereitung von Spezialitäten und Delikatessen, die Herstellung dekorativer Gegenstände oder von Luxuskleidungsstücken oder aber auch alltägliche Dienstleistungen wie Putzen, Reparaturen und Botengänge.

Ergänzt und erweitert werden kann dieses Szenarium durch das von Maria S. Rerrich (1993), die eine internationale Arbeitsteilung zwischen den Frauen in Europa prognostiziert. Ausgangspunkt ihrer Überlegungen ist die Feststellung, daß sich die Hoffnungen auf die Umverteilung von Haus- und Familienarbeit zwischen den Geschlechtern bislang nicht erfüllt haben.  Trotz zunehmender Erwerbstätigkeit von verheirateten Frauen und Müttern verrichten Männer keine nennenswerten Anteile der Reproduktionsarbeit.

Dennoch konstatiert sie Anzeichen für Prozesse der Umverteilung von Arbeit in Haus und Familie.  Was sich verändert, ist offensichtlich die Verteilung der Arbeit zwischen Frauen: Rüstige Großmütter, schwarzarbeitende Putzfrauen und Kinderfrauen setzen andere Frauen für Erwerbsarbeit frei.  Da die Zunahme der Anzahl erwerbstätiger Frauen bisher keine entsprechenden Veränderungen der sozialpolitischen Rahmenbedingungen nach sich gezogen hat, hängt die Berufstätigkeit von Frauen weitgehend davon ab, welche weiblichen Ressourcen sie für die Haus- und Familienarbeit mobilisieren können.

Rerrich geht davon aus, daß die dadurch entstehenden neuen Hierarchien zwischen Frauen den klassischen ungleichheitsrelevanten Dimensionen folgen: Bildung und soziale Herkunft, aber auch: Rasse und Nation.  Sie vermutet, daß sich eine neue Arbeitsteilung zwischen den Frauen in Europa anbahnt - ich stelle die These auf, daß sich im Zuge der Globalisierung eine neue Arbeitsteilung zwischen den Frauen der Welt anbahnt.  Bei gleichbleibenden Rahmenbedingungen sind interdependente Berufskarrieren von Frauen unterschiedli–cher nationaler Herkunft wahrscheinlich.  Während Frauen aus den Industrienationen zunehmend vergleichsweise privilegierte und sozial gesicherte Arbeitsplätze besetzen können, werden Frauen aus Süd- und Osteuropa,  aus Dritte Welt-Ländern, aus den Verlierer-Ländern, Frauen aus den "anderen" Ländern also,  ihren Lebensunterhalt in Zukunft möglicherweise zunehmend damit verdienen, daß sie in ungeschützten oder in schlecht bezahlten Beschäftigungsverhältnissen in deutschen Familien putzen, Kinder und Alte betreuen.

Diese Dienstleistungen durch Minderqualifizierte für Privilegierte, und zwar für privilegierte Männer und Frauen, sind notwendig, um zum einen den Kernanspruch eines privilegierten Lebensstil zu befriedigen, nämlich von "niederen Arbeiten" freigestellt zu sein, zum anderen um diesen Stil aber überhaupt erst zu ermöglichen, also die Basis für dieses Privileg zu schaffen. Wenn der Kern eines privilegierten Lebensstils nun ist, von niederen Arbeiten - damit ist meistens die Reproduktionsarbeit gemeint - freigestellt zu sein, muß jemand gefunden werden, der, besser natürlich: die diese Arbeit erledigt. Die Zuschreibung dieser Jobs an Frauen gelingt  nun am besten, ohne daß zum ersten "man", zum zweiten "frau" ein schlechtes "weißes" Gewissen haben muß, mit der Konstruktion der Dienstleistenden als "anderer" und damit einhergehend als "Nichtprivilegierter". Das Motto dieser Konstruktion ist zwar simpel, aus dem Anspruch eines privilegierten Lebensstils aber zwingend:  "Nicht ich putze  - putzen tut die Andere". Diese Andere ist für den Mann die Frau, wobei anzunehmen ist, daß vielen Männern relativ egal ist, ob dies eine Angehörige der eigenen oder der Fremdkultur ist, für die Frau ist die Andere die Fremde.

Das heißt, Männer brauchen zur Konstruktion der Anderen die Konstruktion des anderen Geschlechts, also der Frau. Die "Frau der Frau" (Pelz 1991: 186) ist dagegen die Fremde: Frauen brauchen zur Konstruktion der Anderen die Konstruktion der Fremden.

Zum Schluß sind also Frauen der jeweils nicht eigenen Kultur andere Andere: Zur  Konstruktion des Geschlechts kommt die Konstruktion des Fremden (vgl. Pelz 1991).


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Die Konstruktion von Geschlecht in intrakultureller Kommunikation

Bevor die Konstruktion von Geschlecht in durch die Globalisierung bedingten interkulturellen Kommunikationssituationen erfaßt werden kann, ist ein Blick darauf notwendig, wie dies zunächst innerhalb der Eigenkultur funktioniert.

Ausgangspunkt für die Beantwortung der Frage nach der Konstruktion von Geschlecht ist das Konzept des "doing gender", das Konzept, daß Geschlecht in realen Situationen hergestellt wird, daß Geschlechterdifferenzen bzw. -hierarchien in Interaktionen konstruiert werden. Eine wichtige - und auch die Sache verkomplizierende - Prämisse bei empirischen Untersuchungen entsprechender Interaktionen ist allerdings die, daß die Identitätskategorie Geschlecht niemals "pur" inszeniert wird, "sondern immer nur in Interaktion mit anderen Kategorien. Dazu gehören u.a. der sozioökonomische Hintergrund, der professionelle Status, die ethnische Zugehörigkeit, das Alter und nicht zuletzt auch die individuelle Biographie. Obwohl ‘doing gender’ unvermeidlich ist, spielt die Identitätskategorie ‘Geschlecht’ ihre Rolle verwoben mit anderen Kategorien; sie ist keineswegs immer der zentrale Identifikationsfaktor" (Frank 1995: 169).

Die Kommunikation von Geschlecht geschieht also als "komplexes, vernetztes Gefüge situations-, rollen- und gesellschaftsabhängiger Sprechverhaltensweisen" (Heilmann 1998: 119).

Relativ unbestritten ist die Konstruktion von Expertentum in der Kommunikationssituation Fernsehdiskussion: In einer Fernsehdiskussion ist ein Experte nur dann aktuell ein Experte, "wenn er sich als solcher präsentiert und diese Rollenaushandlung von den anderen Interaktionspartner/inne/n bestätigt wird" (Kotthoff 1993: 81). Wie dies funktioniert, wurde bereits  gezeigt (Kotthoff 1993, Gräßel 1991, Gräßel 1997).

Ich bin nun der Frage nachgegangen, ob eine solche Konstruktion wie von Expertentum in Fernsehdiskussionen auch für die Kategorie Geschlecht erfolgt (Gräßel 1997). Und in der Tat: die Ergebnisse der Analyse des Sprachverhaltens von zehn  Expertinnen und 14 Experten in fünf  Fernsehdiskussionen über 14 Stunden zeigen zum einen, daß für Männer und Frauen in Fernsehdiskussionen auf der ExpertInnenebene ein spezifischer Status konstruiert wird, und daß zum andern Männer und Frauen in unterschiedlicher Hinsicht an der Konstruktion dieses spezifischen Status von Männern und Frauen beteiligt sind: Dreht sich auf den ersten Blick für Frauen und Männer jeweils alles um das andere Geschlecht, wird auf den zwei–ten Blick deutlich, daß dies sehr viel ausgeprägter für Frauen gilt als für Männer. Frauen sind sehr viel mehr (bei zehn Untersuchungsmerkmalen) auf  Männer fixiert, als Männer auf Frauen (bei sieben Merkmalen). Dabei hat die weitere Betrachtung gezeigt, daß Männer durch bestimmte Orientierungen eher auf eine Demontage eines dominanten Gesprächsstatus für Frauen ausgerichtet wa–ren (durch Unterbrechungen und Scheinbezüge), dagegen auf die Montage eines dominanten Status für andere Männer (durch Unterstützungen und Worterteilungen), auf keinen Fall aber für Frauen. Fatales Er–gebnis für die Frauen: Nicht nur keine Männer, auch keine anderen Frauen arbeiteten an der Konstruktion eines dominanten Status für Frauen. Frauen bestätigten eher einen dominanten Status für Männer durch Unterstützungen und die Tatsache, daß Männer für sie die bevorzugten Ansprechpartner sind.

Fazit: Männer konstruieren in ihrem Kommunikationsverhalten in Fernsehdiskussionen für Frauen, für "die Anderen", eine untergeordnete Position.


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Die Konstruktion des Fremden

Im weiteren soll der Frage nachgegangen werden, welche Positionen für "die Anderen" insgesamt, unabhängig vom Geschlecht konstruiert werden. Viele AutorInnen zum Thema Ethnizität, unter ihnen auch Ilse Lenz (1996), gehen  davon aus, daß Ethnizität in bestimmten sozialen Verhältnissen geschaffen wird. Sie kritisieren also naturalisierende oder rein kulturalistische Ansätze, die Ethnizität als vorgegeben auffassen. Ethnie und Rasse werden wie die Kategorie Geschlecht als sozial geschaffen angesehen. "Sie erscheinen als soziale Konstruktion der Wirklichkeit, mit der diese nach Unterschieden geordnet wird. Diese Unterschiede erhalten aber eine strukturierende Bedeutung im Zusammenhang mit Prozessen gesellschaftlicher Herrschaft: Die Unterdrückung resultiert nach dieser Hypothese nicht daher, daß es - soziale oder kulturelle -  Unterschiede zwischen Frauen gibt, sondern daher, daß sie so bewertet und stereotypisiert werden, daß Ungleichheit und Gewalt damit legitimiert werden können. Zentral sind nicht die Differenzen, sondern die Hierarchien, die ihre Legitimation darauf stützen" (Ilse Lenz 1996: 213).

Soziale und kulturelle Unterschiede zwischen Menschen sind also vorhanden, sie dürfen durchaus konstatiert werden, wobei nicht einmal die Ignoranz von fremden Kulturen rassistisch ist, denn: "In diesem Fall", so Ilse Lenz (1996: 210) "wären ca. 80-90% der Menschheit rassistisch, denn daß das Eigene bekannt ist und das Andere als fremd erscheint, ist eine gängige Erscheinung in allen Gesellschaften. Rassismus ist erst dann gegeben, wenn daraus die Überlegenheit der eigenen Gruppe oder Person oder der eigenen Ansichten hergeleitet und in einem Machtverhältnis durchgesetzt wird."

Und erst dann wird auch die Konstruktion der Anderen problematisch. Problematisch wird die Konstruktion der Anderen, wenn Kultur und/oder ethnische Unterschiede zu einer grundlegenden Differenz umgedeutet werden, die zum einen alle darin einbezogenen Individuen, also die gesamte Gruppe umgreifen,  und zum zweiten selbstverständlich Ausbeutung und Herrschaft einschließen soll. "Dabei werden einerseits die Kultur oder ‘Rasse’ naturalisiert, zu einem quasi-naturhaften Verhältnis gemacht. Andererseits gilt dies auch für die Ungleichheit: Sie wird etwa zwischen Schwarzen und Weißen quasi naturhaft vorausgesetzt. Das erinnert an Tendenzen, in denen von einer globalen Dominanz der Männer überall auf der Welt ausgegangen wurde. Der zugrundeliegende Dualismus ist ähnlich" (Lenz 1996: 209).

Weg vom Individuum hin zu einer "globaleren" Sicht: Auf der Makro-Ebene werden nun nahezu die gleichen Bilder wie auf dieser Mikro-Ebene konstruiert: "Die ‘Dritte Welt’ wird als Einheit und reines Objekt der Ausbeutung betrachtet; sie bildet das Draußen und das Andere zum westlichen Fortschritt" (Lenz 1996: 208).

Problematisches Fazit, das Ilse Lenz (1992: 20) zieht: Die "andere Kultur" - und zwar egal, welche - erscheint in der Regel "als geschlossene Einheit: Im Gegensatz zu unserer modernen Gesellschaft wird sie als traditionell, rückständig und ganz besonders patriarchalisch gesehen" und damit auch die ihr Angehörigen - Männer wie Frauen!


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Die Konstruktion von Geschlecht in interkultureller Kommunikation

Es ist zu nun vermuten, daß ein ganz besonders "pikantes" Konstrukt entsteht, wenn die einzelnen Konstruktionsmerkmale der Kategorie Geschlecht und der Kategorie "Anders-sein" miteinander "kombiniert" werden.

Die Bilder von Weiblichkeit, die der Konstruktion der Anderen in intrakultureller Kommunikation zugrunde liegen, sind in unserem kulturellen Zusammenhang geprägt von der Zuschreibung von Personenbezogenheit, emotionaler Ausdrucksfähigkeit, Solidarität und des "Daseins für andere" an weibliche Menschen mit weißer Hautfarbe und zusätzlichen Ausdrucksmerkmalen westlicher kultureller Sozialisation. Solche Weiblichkeitsstereotypen muten vergleichsweise differenziert an, betrachtet man z.B. die Darstellung anderer, fremder Frauen in US-amerikanischen Medien: So werden schwarze Frauen entweder als Dienstmädchen oder ständig lüsterne sexuelle Tiere dargestellt, amerikanische Ureinwohnerinnen entweder als Prinzessinnen oder Squaws, asiatische Frauen entweder als "dragon ladies" oder exotische und unterwürfige Sexualobjekte, und Latinas als leidende Mütter oder "cantina girls" (Rakow/Wackwitz 1998: 108f).

Geschlechterstereotypen werden in der sprachlichen Interaktion konstruiert. Sie werden zum einen kommuniziert, z.B. durch ein spezifisches sprachliches Verhalten von Männern und Frauen, zum anderen werden sie bestätigt bzw. korrigiert, auf jeden Fall mitgestaltet (vgl. Kotthoff  1993, Gräßel 1997).

Konstruktionsgrundlage ist das jeweilige Bild von Männlichkeit bzw. Weiblichkeit der Beteiligten, das, was in der sprachlichen Interaktion auf das Gegenüber an "männlichen" oder "weiblichen" Merkmalen projiziert wird.

Das Problem interkultureller Kommunikation ist nun, daß in einer sprachlichen Interaktion sehr unterschiedliche, teilweise völlig unbekannte und teilweise auch völlig unvereinbare Vorstellungen von Männlichkeit und Weiblichkeit aufeinandertreffen und natürlich auch von männlicher und weiblicher Lebenswirklichkeit.

Zunächst ein Beispiel für ein Mißverständnis, das auf unterschiedlichen Lebenswirklichkeiten von Frauen aus unterschiedlichen politischen Systemen  - Kulturen? - beruht:

Die Ost-Soziologin Barbara Bertram (B.B.) unterhält sich mit der West-Soziologin Ursula Müller (U.M.):

"B.B.: Unsere Frauen wollen von keinem Mann abhängig sein; gleichzeitig sind sie sehr familienorientiert. In allen Untersuchungen wird der Familie Vorrang vor dem Beruf gegeben.

U.M.: Diesen Widerspruch verstehe ich nicht.

B.B.: Wo ist denn da ein Widerspruch?

Des (nur für westliche Vorstellungen) Rätsels Lösung aus östlicher Sicht: Frauen im Osten konnten jederzeit jedweden Ehemann verlassen, ohne sich um ihre Existenzsicherung, das Sorgerecht oder das Recht auf die Familienversorgung sorgen zu müssen" (Bertram/Müller 1992: 59). Familie zu haben und zu leben, und zwar unabhängig von der Versorgung durch einen Mann waren im Osten kein Widerspruch.


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Die Konstruktion von geschlechtstypischen Sprachstilen

Ein herausragendes Instrument zunächst zur Konstruktion von Geschlecht sind Sprach"stile", eine spezifische Art und Weise, wie Menschen kommunizieren, und zwar Menschen unterschiedlichen Geschlechts oder bzw. und auch unterschiedlicher Kulturkreise. Treten nun im Zuge von Globalisierungsprozessen Männer und Frauen aus unterschiedlichen Kulturen in Interaktion, kann dies zu Mißverständnissen führen. Es handelt sich hierbei um Mißverständnisse, die auf kulturell bedingtem individuellen sprachlichen Verhalten beruhen, und zwar auf spezifischen Sprach"stilen", die offensichtlich in allen Kulturen vorhanden sind und auch von Männern und Frauen realisiert werden.

Eine bestimmte Art, etwas zu tun, eine "Stilisierung" des Verhaltens, ist nach Erving Goffman notwendig, um einem Gegenüber in sozialen Si–tua–tionen Informationen über die eigene soziale und auch persönliche Identität zu geben. Und in jeder Kultur wird ein bestimmtes Spek–trum dieses Ausdrucksverhaltens spezialisiert, "damit es regelmäßi–ger und viel–leicht effektiver diese informierende Funktion erfüllen kann" (Goffman 1976: 10). Neben vielen anderen Merkmalen, die ein Mensch ausdrücken kann, gehört die Geschlechtszugehörigkeit zu den am tief–sten verankerten Merkmalen des Menschen: "Weiblichkeit und Männlichkeit sind –gewissermaßen Prototypen des essentiellen Ausdrucks - also etwas, das in jeder sozialen Situation mühelos vermittelt werden kann, und doch zugleich etwas, das die elementarste Charakterisierung eines Menschen ab–gibt" (Goffman 1976: 34). Dabei ist das Ausdrucksverhalten "sozial gelernt und sozial geprägt; es ist eine gesellschaftliche Kategorie, die einen bestimmten Ausdruck findet" (1976: 35).

Nun sind nach Goffman Männlichkeit und Weiblichkeit nicht Aus–druck der Realität der Ge–schlechter, nicht Ausdruck einer vermeintlichen "Natur" der Geschlechter. Ein männli–cher und ein weiblicher Verhaltensstil sind vielmehr Abbilder gesell–schaftlich vermittel–ter Vorstellungen von Männlichkeit und Weiblichkeit, davon, wie Männer und Frauen zu sein haben.

Wenn im folgenden von einem weiblichen und männlichen Sprachstil die Rede ist, heißt das selbstverständlich nicht, daß alle Männer und alle Frauen in jeder Kommunikationssituation "so", also "typisch männlich" bzw. "typisch weiblich", und nicht anders reden. Selbstverständlich lassen sich "bestimmte sprachlich/sprecherische Besonderheiten nicht einfach linear Frauen oder Männern zuordnen" (Heilmann 1998: 113). Männer und Frauen realisieren selbstverständlich je nach Kommunikationssituation ein sprachliches Verhalten, das neben der Kategorie Geschlecht noch von unzähligen anderen Faktoren beeinflußt wird. Doch trotzdem sich auch in meiner Untersuchung der Kommunikationssituation Fernsehdiskussion gezeigt hat, daß der Status einer Person das sprachliche Verhalten sehr viel mehr beeinflußt als das Geschlecht (Gräßel 1991), sind geschlechtstypische sprachliche Verhaltensweisen so überzeugend nachweisbar, daß es durchaus legitim ist, von einem männlichen und weiblichen Gesprächsverhalten bzw. von einem männlichen und weiblichen Gesprächsstil zu reden.

Ein weiblicher Gesprächsstil ist nun gekennzeichnet zum einen durch ein ausgesprochen aufmerksames und unterstützendes Hörver–halten, zum anderen durch For–men der Abschwächung - z.B. die Formulierung einer Aussage in Frageform  oder ein Lächeln an "unpassenden" Stellen -  und schließlich durch das Fehlen von Formen dominanten Sprachver–haltens.

Ein weiblicher Stil ist ein indirekter Stil und insgesamt Ausdruck von Gesprächsarbeit, von Arbeit daran, daß Kommunikation gelingt. Die Realisierung eines solchen Stils ist sicherlich in einer Vielzahl privater Kommunikationssituationen überlegen, im öffentlichen Bereich ist dieser Stil derjenige, der in professionellen Beratungsgesprächen gefordert wird. Ansonsten ist dies in unserer öffentlichen Gesprächskultur kein Stil, mit dem man "gewinnen" kann.

Dies ist in unserem Kulturraum so, wo"anders" kann das "anders" sein, so z.B. in Madagaskar:  Auf Madagaskar legen die Männer einen indirekten Redestil an den Tag, eine Sprache, die sich windet. "Dieser Stil gilt als harmoniefördernd und zielt darauf ab, Konfrontationen und Gesichtsbedrohungen zu vermeiden. Gleichzeitig wird der männliche Stil aufgrund seiner ‘Indirektheit’ als ‘besser’ und ‘schöner’ betrachtet und hat einen höheren Status in der madegassischen Gesellschaft als der weibliche Stil. Der weibliche Stil weist sich nämlich durch seine Direktheit aus und gilt als Quelle des Konflikts und als Bedrohung für soziale Beziehungen. (...) In öffentlichen Gesprächen ist der männliche Stil obligatorisch, da Konflikte vermieden werden sollen. Aus diesem Grund sind auch alle öffentlichen Sprecher Männer" (Günthner/Kotthoff 1991: 34).

Die Bewertung [1] des madegassischen männlichen Stils als "schöner und besser" steht ganz klar konträr zu unseren kulturellen Vorstellungen: In öffentlichen Gesprächen herrscht in unserer Gesellschaft das Ideal der Direktheit, der Klarheit, der Konfrontation. Dagegen entspricht die Tatsache, daß fast alle öffentlichen Sprecher Männer sind, nahezu unseren Verhältnissen. Sind solche Wertungen also nur eine Frage der Definition und der Frage, in wessen Händen in einer Gesellschaft die Definitionsmacht liegt?  Frei nach dem Motto: Wenn Männer so reden und Männer haben die Macht, dann ist die Art, wie Männer reden, eben die bessere? Eine solche Argumentation läßt meines Erachtens einen wichtigen Aspekt außer Acht: Die Bewertung eines indirekten Sprachstils in der Öffentlichkeit als überlegen ist vielmehr eine Frage der Kommunikationsintention, die Frage danach, ob öffentliche Gespräche konfliktorientiert oder konsensorientiert geführt werden sollen. In Madagaskar ist ganz offensichtlich die Konsensorientierung der "höhere Wert", wobei allerdings offen bleibt, wer die Konsensorientierung in der Öffentlichkeit als "höherwertig" definiert.


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Die Konstruktion von kulturtypischen Sprachstilen

"Indirekt" zu sprechen und dadurch offene Uneinigkeit zu vermeiden - der bevorzugte Sprachstil in der madegassischen Öffentlichkeit -  ist ein Merkmal des sprachlichen Verhaltens "kollektivistischer" Kulturen, im Gegensatz zu "individualistischen" (vgl. Slembek 1998). Im kollektivistischen Kulturtyp werden Bedürfnisse, Ziele und Werte der Gruppe höher eingeschätzt als die des Individuums, was in den meisten asiatischen, in afrikanischen und auch in indianischen Kulturen der Fall ist. In individualistischen Gesellschaften -  den meisten westlichen - werden dagegen die individuellen Bedürfnisse, Werte und Ziele vor die der Gruppe gesetzt. "Die Menschen in dem einen oder anderen Kulturtyp haben unterschiedliche Selbstkonzepte, unterschiedliche Vorstellungen von Identität und unterschiedliches Sozialverhalten.  Das hat Konsequenzen dafür, wie sie kommunizieren, wie ihre Zusammenarbeit geregelt ist, wie Ziele festgelegt werden, wie Meinungsverschiedenheiten gelöst werden, wie Entscheidungen zustande kommen" (Slembek 1998: 30). In einem Konfliktfall tendieren beispielsweise Mitglieder individualistischer Kulturen dazu, direkt zu sein, ihre Position entschieden zu vertreten, um ihre Ziele zu erreichen.  Direkte Konfrontationen, auch Angriffe sind durchaus üblich. In solchen Fällen wird Konflikt als Kampf verstanden, als Gewinndialog. Mitglieder kollektivistischer Kulturen dagegen vermeiden Konfrontationen gegenüber Mitgliedern einer Gruppe, der sie sich zugehörig fühlen. Aufgrund dieser Unterschiede geht Edith Slembek (1998: 33) so weit, die Frage zu stellen, ob Arbeitsgruppen, "gebildet aus unterschiedlichen Kulturen, mit unterschiedlichen Identitäten, Selbst-Konzepten, Verhaltensweisen und Kommunikationsstilen (...) überhaupt sinnvoll zusammenarbeiten können."

So berechtigt diese Frage auch sein mag: Interkulturelle Zusammenarbeit ist eine Grundvoraussetzung für die weltweite Vernetzung ökonomischer Aktivitäten. Interkulturelle Kommunikation ist die Basis der Globalisierung. Um möglichem gegenseitigen Nicht-Verstehen vorzubeugen, um Mißverständnisse zu vermeiden, um Zusammenarbeit zu ermöglichen,  muß unser Wissen um kulturell vorgegebene Kommunikationsregeln erweitert  werden.


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Mißverständnisse in interkultureller Kommunikation

Mißverständnisse in interkultureller Kommunikation können sich z.B. bei   Aspekten nonverbalen Verhaltens ergeben, was beispielsweise die räumliche Nähe bei sprachlicher Interaktion anbelangt. Während in Mitteleuropa bei Arbeitskontakten die angenehme Kommunikationsdistanz bei ungefähr 1,20m liegt, wobei die Kommunikationspartner/innen  im offenen Winkel zueinander stehen, bevorzugen Lateinamerikaner/innen eine Position genau gegenüber dem/der Gesprächspartner/in und eine deutlich geringere Distanz. Treffen nun Kommunikationspartner/innen dieser unterschiedlichen Kulturkreise aufeinander und verhalten sich entsprechend ihrer kulturellen Kommunikationsnormen, ist die Gefahr groß, daß die einen die anderen als aufdringlich und aggressiv empfinden, die anderen die einen als kalt und unhöflich (vgl. Slembek 1998). In der Interaktion zwischen Männern und Frauen aus diesen unterschiedlichen Kulturen können nun neben diesen kulturspezifischen Aspekten zusätzlich geschlechtsspezifische relevant werden: In Mitteleuropa wird der Raum von Frauen wie von statusniedrigen Personen in der Regel leichter verletzt, als der von Männern und statushohen Personen, und zwar sowohl durch Männer als auch durch Frauen bzw. sowohl durch Statushohe als auch durch Statusniedrige. Räumliche Nähe - in ihrer letzten Konsequenz die Berührung - hat neben einer Dominanz- aber immer auch eine sexuelle Konnotation. Realisieren Frauen nun "dominante" Gesten gegenüber Männern, wird ihnen dies aber sehr häufig nicht als Dominanz ausgelegt, sondern - darauf hat Nancy Henley (1988) hingewiesen - als sexuelle Avance.  Die kulturell vermittelte räumliche Distanz bzw. Nähe einer Lateinamerikanerin einem Mitteleuropäer gegenüber in einer formalen Kommunikationssituation wäre für sie: "normal", für ihn: "unnormal", auf jeden Fall verwirrend, eventuell bedrohlich - wenn er die Nähe als Dominanzgeste interpretieren würde - eventuell aber auch eine sexuelle Einladung!

Für unterschiedliche Kommunikationssituationen hat also jede Kultur ihre eigenen kommunikativen Verhaltensregeln. Ein weiteres Beispiel für mögliche Mißverständnisse, das Helga Kotthoff (1991) berichtet: So muß ein Chinese oder ein Westgeorgier ein ihm angebotenes Stück Kuchen zunächst einmal ablehnen, um dadurch Bescheidenheit zu demonstrieren, was zum Höflichkeitsgebaren in seiner Kultur gehört.  Entsprechend muß die Gastgeberin es mehrmals anbieten und erst nach mehreren Versuchen darf der Gast das Angebot akzeptieren. In den meisten deutschsprachigen Kulturräumen wird dagegen mehrmaliges Anbieten als Nötigung aufgefaßt, insofern wird ein "nein" relativ schnell akzeptiert. "Mit einer deutschen Gastgeberin entsteht die Kette mehrmaliger Angebote nicht mit der gleichen Wahrscheinlichkeit, wie mit einer chinesischen oder westgeorgischen.  Die pragmatischen Kommunikationsnormen entsprechen sich in dieser Situation nicht" (Kotthoff 1991: 42).  Wird nun ein solches "nein" einer Chinesin oder eines Georgiers von einer deutschen Gastgeberin plötzlich akzeptiert - ein kommunikativer Fehlschlag aufgrund der Unkenntnis kultureller Kommunikationsnormen - ist die Gefahr groß, daß die  Chinesin und der Georgier die Deutsche unhöflich finden, die Deutsche ihre Gäste umgekehrt als "schwierig", als jemand, den man "zigmal bitten muß" (ebd.).

Abschließend noch einmal zurück zu dem vorher angesprochenen weiblichen Stil, der nunmehr wohl besser als "westlicher, weißer, weiblicher Stil" zu bezeichnen ist:

Eine Form der Abschwächung, die Frauen häufiger als Männer verwenden, ist ein "unpassendes Lächeln", ein Lächeln an unpassenden Stellen, das zur Entschuldigung, zur Abschwächung einer "negativen" Botschaft oder zur teilweise Zurücknahme des Gesagten dient. In unserem Kulturkreis findet sich grundsätzlich die kommunikative Regel, daß freundliche, positive, "lustige" Botschaften lachend oder lächelnd nonverbal begleitet werden, ernste, negative, "traurige" Botschaften mit einer entsprechend ernsten Mimik. Menschen - nach  vorliegenden Forschungsergebnissen meist Frauen - die gegen diese Kommunikationsnorm verstoßen, werden entsprechend als widersprüchlich, unglaubwürdig oder auch unterwürfig beurteilt (Gräßel 1991: 92f), und zwar entweder als gesamte Person, günstigstenfalls "nur" ihre Botschaft.

Als völlig inakzeptables nonverbales Verhalten würde nun in unserem Kulturkreis gelten, wenn eine Frau nicht nur nicht weinend, sondern sogar lachend vom Tod ihres Mannes erzählen würde. Ein  Lächeln oder gar Lachen in dieser  Situation würde als extrem unangemessen empfunden. Anders in Japan: Dort ist Lachen bzw. Lächeln eine übliche und auch kulturell erwartete Verhaltensweise, um die Gefühle zu verbergen. Eine Japanerin, die in einer interkulturellen Kommunikationssituation lachend vom Tod ihres Mannes erzählt, verhält sich also den Kommunikationsregeln ihres Kulturkreises entsprechend  absolut angemessen, "unseren" Regeln entsprechend allerdings mehr als widersprüchlich, unglaubwürdig, auf jeden Fall "merkwürdig" und in den Augen ihres Gegenübers auch noch "typisch weiblich" - obwohl dieses "von uns" als unpassend empfundene Lächeln überhaupt nichts mit ihrer Geschlechtsrolle zu tun hat.

Eine weitere Form der Abschwächung, die weiße Frauen aus westlichen Kulturkreisen häufiger als Männer verwenden, ist die Formulierung einer Aussage in Frageform, wobei Frauen auch insgesamt mehr Fragen stellen, was bereits allein durch die - steigende - Intonation geschieht. Inder und Inderinnen nun äußern eine Frage mit fallender Intonation. Man stelle sich jetzt - so ist eben Globalisierung - einige Inderinnen z.B. auf einem Sekt-Empfang vor, allerdings nicht als Gast sondern - so ist eben Globalisierung - als Bedienerinnen,  die den Gästen das Tablett entgegenhalten und sagen: "Sekt!" (vgl. Maltz/Borker 1991: 57) - Mißverständnisse sind vorprogrammiert. Was den Sprecherinnen dieses "Angebots" zum Nachteil gereichen würde, ist, daß sie sicherlich als unfreundlich und unhöflich wahrgenommen werden. Vielleicht bieten solche interkulturellen Kommunikations-Fehlschläge aber auch Vorteile, Chancen für ein neues Kommunizieren der Geschlechter: Ein so geäußertes Angebot  würde nämlich nicht nur als unhöflich gelten, sondern - zumindest in westlichen Augen - auch als völlig "unweiblich" - vielleicht ein erster Schritt weg von Geschlechterklischees?



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Literatur

Barbara Bertram/Ursula Müller, Geschlechterbeziehungen hüben und drüben, in: Gudrun-Axeli Knapp/Ursula Müller (Hg.), Ein Deutschland - zwei Patriarchate? Dokumentation der Jahrestagung der Sektion Frauenforschung in Hannover, 21.-23. Juni 1991,  Bielefeld/Hannover 1992, S. 54-62

Karsta Frank, F-R-A-U buchstabieren: Die Kategorie „Geschlecht“ in der lingui–sti–schen Frauenforschung, in: Ursula Pa–sero/Friederike Braun (Hg.), Konstruktion von Geschlecht, Pfaffenweiler 1995, S. 153-181

Jürgen Friedrichs,  Globalisierung - Begriff und grundlegende Annahmen, in: Aus Politik und Zeitgeschichte B33-34/97, S. 3-11

Erving Goffman, Geschlecht und Werbung, Frankfurt a.M.: Suhrkamp 1976

Ulrike Gräßel, „Aber Sie wissen sicher da mehr darüber!“ Orientierungen von Expertinnen und Experten in Fernsehdiskussionen, in: Friederike Braun/Ursula Pasero (Hg.), Kommunikation von Geschlecht, Pfaffenweiler 1997, S. 88-104

Ulrike Gräßel, Sprachverhalten und Geschlecht. Eine empiri–sche Studie zu ge–schlechtsspezifischem Sprachverhalten in Fernseh–diskussio–nen, Pfaffenweiler: Centau–rus 1991

Susanne Günthner/Helga Kotthoff, Von fremden Stimmen. Weibliches und männliches Sprechen im Kulturvergleich, in: dies. (Hg.), Von fremden Stimmen, Frankfurt a.M. 1991, S. 7-51

Christa M. Heilmann, Das Gesprächsverhalten von Frauen - Zeichen fehlender ethnolinguistischer Identität?, in: Ingrid Jonach (Hg.), Interkulturelle Kommunikation, Sprache und Sprechen 34, München, Basel 1998, S. 110-120

Helga Kotthoff, Kommunikative Fehlschläge zwischen Frauen und Männern, in: Das Wort: Germanistisches Jahrbuch, Moskau 1991, S. 42-50

Helga Kotthoff, Kommunikative Stile, Asymmetrie und „Doing Gender“. Fall–studien zur Inszenierung von Expert(inn)entum in Gesprä–chen, in: Feministische Studien 11/1993 (2) S. 79-95

Ilse Lenz, Fremdheit/Vertrautheit. Von der Schwierigkeit im Umgang mit kulturellen Unterschieden, in: Gudrun-Axeli Knapp/Ursula Müller (Hg.), Ein Deutschland - zwei Patriarchate? Dokumentation der Jahrestagung der Sektion Frauenforschung in Hannover, 21.-23. Juni 1991,  Bielefeld/Hannover 1992, S.  11-27

Ilse Lenz, Grenzziehungen und Öffnungen: Zum Verhältnis von Geschlecht und Ethnizität zu Zeiten der Globalisierung, in: Ilse Lenz, Andrea Germer, Brigitte Hasenjürgen (Hg.), Wechselnde Blicke. Frauenforschung in internationaler Perspektive, Opladen 1996

Daniel M. Maltz/Ruth A. Borker, Mißverständnisse zwischen Männern und Frauen - kulturell betrachtet, in: Susanne Günthner/Helga Kotthoff (Hg.), Von fremden Stimmen, Frankfurt a.M. 1991, S. 52-74

Annegret Pelz, Reisen in die eigene Fremde. Reiseliteratur als autogeographische Schriften von Frauen, Köln, Wien 1991

Lana F. Rakow/Laura Wackwitz, Communication of Sexism, in: Michael L. Hecht (Hg.), Communicating Prejudice, Thousand Oaks: Sage 1998,  S. 99-111

Maria S. Rerrich, Auf dem Weg zu einer neuen internationalen Arbeitsteilung zwischen den Frauen in Europa? Beharrungs- und Veränderungstendenzen in der Verteilung von Reproduktionsarbeit, in: Agnes Elting-Camus, Heiner Meulemann (Hg.), 26. Deutscher Soziologentag Düsseldorf, Abstract-Band, Düsseldorf 1993

Saskia Sassen, The Mobility of Labor and Capital. A Study of International Investment and Labor Flow, Cambridge, Mass. 1988

Edith Slembek, Grundfragen der interkulturellen Kommunikation, in: Ingrid Jonach (Hg.), Interkulturelle Kommunikation, Sprache und Sprechen 34, München, Basel 1998, S. 27-36


        

[1] Zu Bewertungen unterschiedlicher Sprachstile vgl. auch Günthner (1997): So werden z.B. bei den Wolof im Senegal, einer männlich dominierten, hierarchisch-organisierten Kastengesellschaft rhetorische Fertigkeiten prinzipiell negativ und als Ausdruck eines niedrigen Status bewertet, während Schweigen Ausdruck eines hohen Status ist.  Die strikte Hierarchisierung der Gesellschaft spiegelt sich nun zum einen im Gesprächsverhalten ständig wider, zum andern wird es ständig reproduziert, indem Frauen und Männer der unteren Kasten viel und oft, adelige Männer kaum reden und sogar professionelle Redner angestellt haben, die bei öffentlichen Auftritten an ihrer Stelle sprechen. Dabei reden adlige Frauen  immer noch mehr als adelige Männer, was wiederum als Zeichen ihres niedrigeren Status interpretiert wird. Dagegen wird in Burundi, einer ebenfalls stark hierarchisch gegliederten Kastengesellschaft, Eloquenz hoch geschätzt. Bereits mit zehn Jahren bekommen Jungen der oberen Kasten ein spezielles Sprechtraining. Die Mädchen dagegen werden unterwiesen, ruhig zu sein und sich als gute Zuhörerinnen zu üben. Öffentliches Reden ist ihnen untersagt, es wird von ihnen wie auch von Angehörigen niedriger Kasten erwartet, daß sie nur dann reden, wenn sie aufgefordert werden.

Letzte Änderung:30. September 2015

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