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Ost-West-Kolleg

19. Jun. 2018

Im Rahmen der Ringvorlesung (gleichzeitig Ost-West-Kolleg) „Der ostmitteleuropäische Raum: Alte und neue Grenz(überschreitung)en“ referierte am 3. Mai 2018 Dr. Felix Ackermann vom Deutschen Historischen Institut Warschau an unserer Hochschule.

 

 

Etwa 35 Teilnehmer folgten gespannt dem Vortrag mit dem Thema „Litauen im Schatten des Krieges in der Ukraine – Die baltische Republik 100 Jahre nach ihrer Gründung“.

In der Vorlesungsreihe beschäftigen sich nicht nur Studenten der Hochschule Zittau/Görlitz mit den Grenzziehungen und Grenzüberschreitungen Ost- und Westeuropas, deren wechselseitige Wahrnehmungen und Beziehungen sowie der Zugehörigkeit osteuropäischer Staaten zur Europäischen Union. Auch viele externe Besucher, welche die Themen oft aus völlig anderen Perspektiven betrachten, finden sich in den Hörsaal der Hochschule ein.

Zu Beginn des Referats gab Dr. Felix Ackermann den Zuhörern eine kurze Einführung in die Geschichte der noch sehr jungen Republik Litauen, wobei die wichtigsten geschichtlichen Daten angesprochen worden. Beginnend mit der polnisch-litauischen Verfassung 1791, welche scheiterte und kurz darauf zur Aufteilung der beiden Länder zwischen den Preußen, Habsburgern und Russen führte, ging die geschichtliche Reise weiter über die Schlacht von Tannenberg bis hin zum Ausruf der litauischen Republik im Februar 1918. Erwähnenswert sei, dass Litauen bereits vor der Republikgründung als Land zwischen dem Deutschen Orden und dem Russischen Reiches galt. So kam es, dass Deutschland die Republik Litauen duldete, da diese sich dadurch von der Großmacht Russland abgrenzte. Russland wiederum sah Litauen als deutsches „Geheimdienstprojekt“. Bereits 21 Jahre nach dessen Gründung verlor Litauen die Eigenstaatlichkeit im Zuge des Zweiten Weltkrieges nach dem Einrücken der Roten Armee in das Land. Bis 1990 gehörte Litauen der Sowjetunion an und erlangte nach zahlreichen Protesten die Unabhängigkeit wieder. Seit 2004 ist die Republik Mitglied der NATO und der Europäischen Union. 2015 wurde auch der Euro eingeführt. Für die litauische Bevölkerung sind die Demokratie und der Weltfrieden ein wichtiges Gut, welche sie mit der Zugehörigkeit zur EU bewahren können.

Nach dem kurzen Ausflug in die Geschichte Litauens gab uns Dr. Felix Ackermann eine kleine Leseprobe seines Buches „Mein litauischer Führerschein – Ausflüge zum Ende der Europäischen Union“. Darin schreibt er über seine Erlebnisse in Litauen, aber auch über politische Themen, denn er befand sich ab 2011 in dem Balkanstaat und konnte miterleben, wie die Krim-Krise in der Ukraine auf die litauische Bevölkerung wirkte, obwohl der Krieg doch anscheinend so weit weg war. Er berichtete über das Gefühl einer russischen Bedrohung, Erinnerungen an den Hitler-Stalin-Pakt von 1939 und über die Wiedereinführung der Wehrpflicht in Litauen 2015, welche erst sieben Jahre zuvor abgeschafft worden war. Ebenso greift sein Buch das Thema Multikulturalität auf, welche in Litauen und vor allem in dessen Hauptstadt Wilna gelebt wird, aber seit der Krim-Krise zur großen Problematik wurde. Gestützt von russisch finanzierten Zeitungen werden Kritiken laut, welche die russische Minderheit in der Republik als benachteiligt ansehen, obwohl es seit den 1990er Jahren nie große Diskussionen darüber gab.

Nach dem Vortrag entstand unter den Anwesenden eine rege Diskussionsrunde. Dr. Felix Ackermann beantwortete zahlreiche Fragen, vor allem wie die litauische Bevölkerung der EU gegenübersteht, auch angesichts der Krim-Annexion Russlands, ob die Gefahr, welche für die Litauer von der Großmacht Russland ausgeht, nicht eher abstrakter Natur ist und in dem Sinne nicht überreagiert wird und ob sich die Einstellung gegenüber der russischen Ethnie in Litauen seit den 1990er Jahren geändert hatte, denn zu dieser Zeit war dies eine sehr präsente Problematik.

Zum Abschluss des Vortrages las der Referent noch eine der amüsanteren Passagen aus seinem Buch vor, welche von einem interessanten Saunabesuch in Litauen handelte, welcher zeigte, dass Herkunft, Sprache und Ansichten der Menschen völlig zweitrangig waren.

 

Bericht:

Sandra Möbius & Romana Raymund, Studentinnen im Studiengang Soziale Arbeit

 


Kontakt:

Cornelia Müller

E-Mail: C.Mueller@hszg.de

Tel.: 03581 3744274

Letzte Änderung:24. Februar 2017

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